z_ALT_Aus der Arbeit

Scheich Mohammed Abou Zaid

„We don’t say refugees, we say Syrians.“ Das sind die Worte von Mohammed Abou Zaid, sunnitischer Richter am Gericht in Saida/Libanon und Imam in einer großen Moschee, als wir über Migrationsprozesse aus Syrien in den Libanon sprechen. Es sind die langjährigen Verbändelungen beider Staaten, nicht immer nur freundschaftlich, die nicht von refugees oder migrants reden lassen. Schon immer kamen Menschen, um im Land der Zedern zu arbeiten oder ihre Verwandten zu besuchen. Derzeit suchen viele Schutz vor den Ereignissen in Syrien.

Auch der Staat registrierte sie nicht als Flüchtlinge, so dass die Organisation bisweilen chaotisch wirkt und auch ist. Insgesamt wird von 1,5 Millionen Geflüchteten ausgangen, die im Angesicht der sich schon lang anbahnenden Wirtschaftskrise im Libanon, nicht mehr nur ungeteilt auf Zustimmung stoßen. Vorurteile, dass der Strom ausfällt, weil so viele Syrer im Land sind, sind keine Seltenheit. Die derzeitigen Demonstrationen im Libanon konnten freilich auch nicht ausgeblendet werden. Scheich Mohammed hat Hoffnung für sein Land, aber vermutlich wird es einige Zeit in Anspruch nehmen. Bisher haben die Proteste noch keine Führungspersonen, aber sie sind getragen von den Menschen des Landes. Sie wollen nicht mehr schweigen über Korruption und Vetternwirtschaft.

Maronitscher Priester Jihad Nassif

Am 6. November 2019 war Jihad Nassif Gast im Seminar. Als Monsignore ist er Geistlicher der maronitischen Kirche, die auch im Mittelpunkt der Überlegungen stand. Ein Blick in die Geschichte der Maroniten zeigte, dass Bewegung ein Kennzeichen dieser Gemeinschaft ist. Mittlerweile sind die Maroniten nicht mehr nur eine Gemeinschaft auf dem Gebiet Syriens und Libanons. Durch komplexe historische Vorgänge sind Vertreter in Frankreich, den USA, Schweden … anzutreffen. Jihad Nassif möchte diese Vorgänge nicht mit Begriffen wie Migration in Verbindung bringen. Er spricht davon, dass sich die Gemeinschaft weltweit ausgebreitet hat. Das ist für ihn weniger Verlust, sondern eine Chance. Dass die derzeitige Situation für die Christen Syriens, auch für die Maroniten eine Herausforderung ist, unterstreichen die Bilder, die er aus Homs mitgebracht hat. In Homs war er während des Kriegs in Syrien tätig (2015-18). Verschiedene Projekte wie das eines Nähateliers, Wohnungsbau gaben Hoffnung, dass Leben zwischen den Ruinen des Viertels Hamidiye möglich ist und zunehmend möglich wird.